WIR FÖRDERN

Strahlendosis für molekulare Bildgebung um mehr als ein Drittel reduzierbar

Unter Federführung von Leipziger Nuklearmedizinern wird veralteter Standard angepasst

In einem aufwändigen Forschungsprojekt ist es dem Leipziger Nuklearmediziner PD Dr. Lars Kurch gemeinsam mit dem Würzburger Medizinphysiker Dr. Johannes Tran-Gia gelungen, eine Dosisreduzierung für das zur Bildgebung erforderliche radioaktive Medikament zu erlangen, das krebskranken Kindern verabreicht werden muss.

Kinder und Jugendliche mit Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-Lymphom) erhalten vor und während der Behandlung einen Ganzkörper-Scan in der sog. Röhre, mit dem die Ausbreitung des Tumors und das Ansprechen auf die Chemotherapie diagnostiziert werden. Für dieses molekulare Bildgebungsverfahren, die PET (Positronenemissionstomographie), wird den Betroffenen eine radioaktive Zuckerlösung (Radiopharmakon) verabreicht, die das Sichtbarmachen der Tumorherde überhaupt erst ermöglicht. Die nötige Dosis für das Radiopharmakon wird individuell anhand des Gewichtes der jungen Krebserkrankten ermittelt. Hierzu hatte die Europäische Gesellschaft für Nuklearmedizin (EANM) bereits vor mehr als 15 Jahren einen offiziellen Dosis-Rechner etabliert. Dementsprechend waren die Basiswerte, die diesem Rechner zugrunde liegen, veraltet. Seit längerem bestand der Wunsch, den Rechner zu überprüfen und anzupassen, mit dem Ziel, die Strahlendosis der radioaktiven Zuckerlösung zu reduzieren.

„Da die Verabreichung eines Radiopharmakons für die Patienten eine – verhältnismäßig geringe – Strahlenbelastung darstellt, die jedoch bei häufiger Anwendung zu strahlenbedingten Krebserkrankungen führen kann, gilt es, unnötige Strahlenbelastungen zu vermeiden. Eine merkliche Reduktion der Strahlendosis war jedoch bisher nicht möglich, da die berechtigte Sorge bestand, dass die Bildqualität und damit die Aussagekraft der PET erheblich leiden würden“, erläutert der Leipziger Klinikdirektor Prof. Sabri die Ausgangssituation.

Der Dosis-Rechner wurde in den letzten Jahren von führenden Kindernuklearmedizinern vermehrt kritisiert, da es aufgrund der enormen Weiterentwicklung der PET-Röhren plausibel erscheint, auch mit deutlich geringeren Radiopharmaka-Dosen hervorragende Bilder erzeugen zu können. Für den Beweis dieser Hypothese fehlte allerdings belastbares Zahlenmaterial, sodass seitens des Physik-Komitees der EANM, das für den Rechner verantwortlich ist, entsprechende Anpassungen abgelehnt wurden.

Ziel des von der Mitteldeutschen Kinderkrebsforschung mit 22.149,88 Euro geförderten Projektes war es nun, belastbare Daten zu generieren, die eine Anpassung des EANM-Dosage-Rechners für das eingesetzte Radiopharmakon erlauben.

In einem dreijährigen Forschungsmarathon haben Kurch und Tran-Gia gemeinsam mit ihren Kolleg:innen an den beiden Universitätsstandorten sowie einem weiteren Nuklearmediziner aus Italien mehr als zweitausend Datensätze aus PET-Zentren in ganz Europa analysiert und ausgewertet, um das erforderliche belastbare Zahlenmaterial zu liefern. Das Projekt erfolgte in enger Kooperation mit dem Physik-Komitee der EANM sowie mit dem Pädiatrie-Komitee der EANM, um durch intensive Zusammenarbeit mit den Hauptentscheidungsträgern auf eine Anpassung des Dosis-Rechners hinzuwirken.

„Im Ergebnis aller Analysen kann die Radiopharmakon-Dosis um fast 40 Prozent im Vergleich zu den Ausgabewerten des Dosisrechners reduziert werden. Das bedeutet eine erheblich geringere Strahlenbelastung für unsere jungen Patienten sowie eine wirtschaftliche Einsparung für die Kliniken, berichtet PD Dr. Kurch hocherfreut.

„Dieses Projekt ist ein weiterer Meilenstein in den jahrzehntelangen, äußerst erfolgreichen Bemühungen des Leipziger Hodgkin-Teams“, resümiert Petra Hort vom Vorstand der Stiftung Mitteldeutsche Kinderkrebsforschung. „Dass die jüngsten Projektergebnisse nun zeitnah zu einer Anpassung des Dosis-Rechners führen werden, zeigt, wie schnell in der Kindekrebsforschung Forschungsergebnisse Einzug in den Behandlungsalltag halten“, stellt Hort zufrieden fest.

Autoren: Uwe Schimunek, Peter Männig

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